Aktualisiert am: 22.07.2026
Case Study: Brandgeschützte Wärmekammer für Spezialchemie
Wie lässt sich ein veralteter Aufbereitungsprozess für gefährliche Stoffe sicher, normkonform und zukunftsfähig neu gestalten? Diese Case Study zeigt, wie DENIOS für einen weltweit führenden Hersteller von Spezialchemie eine maßgeschneiderte, brandgeschützte Wärmekammer entwickelt und schlüsselfertig errichtet hat. Der Leser erhält praxisnahe Einblicke, wie technisch anspruchsvolle Anforderungen an Gewässerschutz, Brandschutz und Prozessintegration in einer einzigen Lösung vereint werden können und welchen Mehrwert ein ganzheitliches Konzept gegenüber Einzellösungen bietet.
Herausforderung: Veraltete Anlage trifft auf neue Anforderungen
Gewässer und Brandschutz für eine HBV-Anlage im Dauerbetrieb
Ein weltweit führender Entwickler und Hersteller von Spezialchemie produziert hochwertige Roh-, Hilfs-, Zusatz- und Wirkstoffe, die in nahezu allen Industriebranchen und Verbrauchsgütern zum Einsatz kommen. Für einen Aufbereitungsprozess werden wassergefährdende und entzündbare chemische Stoffe in einer Wärmekammer erhitzt, um sie mit erhöhter Viskosität dem Produktionsprozess zuzuführen.
Die bestehende Prozessanlage entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen und musste ersetzt werden. Da die Wärmekammer ortsfest und über einen längeren Zeitraum von mehr als sechs Monaten genutzt werden sollte, gilt sie als HBV-Anlage (Anlage zum Herstellen, Behandeln und Verwenden wassergefährdender Stoffe) gemäß § 2 der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Der sogenannte Besorgnisgrundsatz aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG §§ 62 und 63) definiert dabei das grundlegende Anforderungsniveau: Leckagen wassergefährdender Stoffe müssen zuverlässig verhindert werden, um Gewässer und Wasserorganismen zu schützen. Aufgrund der Entzündbarkeit der zu behandelnden Stoffe wurden zudem erhöhte Anforderungen an den Brandschutz gestellt.
Die zentrale Aufgabe: Sichere und leistungsfähige Wärmekammer für den Industriebetrieb
Zu den Kernanforderungen zählten:
Platz für acht IBC oder Chemiepaletten auf zwei Lagerebenen
Zwei unabhängig voneinander bedienbare Rolltore für mehrfaches tägliches Be- und Entladen per Stapler
Exakt einstellbare Haltetemperaturen im Bereich von 40 °C bis 60 °C
Digitale Schnittstellen zur Übertragung von Prozessdaten an eine Leitwarte
Einhaltung der Anforderungen aus AwSV, WHG sowie erhöhter Brandschutzklassifizierung
Zahlreiche Umweltschutz-, Sicherheits-, Energiespar- und Komfortfunktionen
Lösung: Maßgeschneiderte Wärmekammer mit höchsten Brandschutz
Feuer und Flamme für Brandschutz
Die von DENIOS entwickelte und errichtete Wärmekammer erfüllt höchste Industriestandards. Den geforderten Brandschutz gewährleisten fünfseitig verbaute Brandschutzwände in EI 120-Klassifizierung (Feuerwiderstandsklasse: 120 Minuten Schutz gegen Feuer von außen). Die bodentiefe Ausführung verhindert einen potenziellen Brandüberschlag. Die beiden Rolltore besitzen einen nicht brennbaren Dämmkern; der außen montierte Umluftmotor ist mit einer Brandschutzeinhausung vor möglichen Flammen geschützt.
Robust, durchdacht und sicher
Die Wärmekammer bietet mit Regalen auf zwei individuell in der Höhe einstellbaren Ebenen aus Gitterrost Platz für acht Paletten. Zur statischen Trennung der Lasten sind die Regale in die Kammer eingestellt, jedoch nicht kraftschlüssig mit dem Tragwerk verbunden. Durchschubsicherungen in jeder Einstellebene verhindern, dass durch zu tiefes Einstellen von Paletten die Rückwand beschädigt werden kann. Für den Umwelt und Gefahrenschutz sorgen im Fall einer Leckage zwei herausnehmbare Auffangwannen aus 5 mm starkem Edelstahl mit einem Volumen von jeweils 1.000 l und einer gesamten Auffangkapazität von 2.000 l.
Ergänzende Ausstattung für Sicherheit und Komfort
Zum effizienten Bestücken und Entnehmen der Chemiegebinde hat DENIOS zwei robuste, elektrisch angetriebene Rolltore gefertigt. Sie lassen sich unabhängig voneinander und komfortabel per Funksender öffnen und schließen, zum Beispiel direkt vom Stapler aus. Für zuverlässigen Arbeitsschutz sorgen die elektronische Schließkantensicherung sowie die LED-Außenbeleuchtung, die bei Toröffnung automatisch aktiviert wird. Zur Unterstützung des Arbeitsschutzes und zur Energieeinsparung schaltet das Umluftgebläse selbsttätig ab, sobald ein Tor geöffnet wird.
Kundenindividuelle Spitzenelektronik
Sämtliche elektrischen Einrichtungen der Anlage entsprechen den Vorgaben des Kunden. DENIOS integrierte eine Premiumsteuerung im Schaltschrank an der Außenseite der Wärmekammer, ausgeführt gemäß Schutzart IP54 (geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen). Rangierklemmen ermöglichen die Übertragung von Prozessdaten an die Leitwarte des Produktionswerks. Sämtliche Motoren sind mittels Thermistoren gegen Überhitzung geschützt sowie nach Effizienzklasse IE3 und UCM ausgeführt. Der Kunde erhielt alle Schaltpläne als digitale Dateien sowie in Papierform.
Ergebnis: Pünktlich in Betrieb und seither täglich im Einsatz
Noch wirtschaftlicher und zukunftsweisender produzieren
Sicherheitsgewinn: Durch die EI 120 Brandschutzwände, die bodentiefe Ausführung und die Auffangwannen aus Edelstahl mit 2.000 l Gesamtvolumen sind sowohl Brand- als auch Leckagerisiken zuverlässig beherrscht. Die Anlage erfüllt vollständig die Anforderungen aus AwSV und WHG.
Effizienzsteigerung: Die zwei unabhängig bedienbaren Rolltore mit Funksteuerung ermöglichen einen reibungslosen Schichtbetrieb. Das automatische Abschalten des Umluftgebläses bei Toröffnung spart Energie. Die digitale Anbindung an die Leitwarte schafft Transparenz über alle Prozessparameter in Echtzeit.
Qualitative Effekte: Die schlüsselfertige Umsetzung durch DENIOS, von der Planung über die Konstruktion bis zur Inbetriebnahme, reduzierte den Koordinationsaufwand für den Kunden erheblich. Die vollständige Dokumentation inklusive digitaler Schaltpläne erleichtert Wartung und Betrieb langfristig.
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Von einem führenden Spezialchemiehersteller lernen und selbst profitieren
Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie sich komplexe Anforderungen an Gewässerschutz, Brandschutz und Prozessintegration in einer einzigen, maßgeschneiderten Lösung vereinen lassen. Besonders in Branchen, in denen wassergefährdende und entzündbare Stoffe regelmäßig erhitzt, gelagert oder verarbeitet werden, ist eine frühzeitige und ganzheitliche Planung entscheidend.
Folgende Handlungsempfehlungen lassen sich aus diesem Projekt ableiten:
Frühzeitige Klassifizierung der Anlage: Wer eine Wärmekammer ortsfest und dauerhaft betreibt, sollte prüfen, ob eine HBV-Anlage gemäß AwSV vorliegt und die Anforderungen aus WHG §§ 62/63 von Beginn an in die Planung einbeziehen.
Brandschutz über das Mindestmaß hinaus denken: EI 120 Brandschutzwände bieten 120 Minuten Schutz und schaffen damit eine belastbare Sicherheitsreserve, auch dort, wo gesetzlich weniger gefordert wäre.
Prozessintegration von Anfang an mitplanen: Digitale Schnittstellen zur Leitwarte, automatische Überwachungsfunktionen und energiesparende Steuerlogik sind keine Extras, sondern Grundlage für einen effizienten und sicheren Dauerbetrieb.
Schlüsselfertige Lösungen reduzieren Koordinationsaufwand: Die Zusammenarbeit mit einem Anbieter, der Planung, Konstruktion und Inbetriebnahme aus einer Hand liefert, minimiert Schnittstellen und Risiken im Projektverlauf.