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Gefahrstoffe sicher umfüllen

Beim Umfüllen von Gefahrstoffen ist besondere Vorsicht geboten: Schon kleine Fehler können Gesundheit, Umwelt und Betriebssicherheit gefährden. Der folgende Ratgeber zeigt, welche rechtlichen Vorgaben zu beachten sind, welche Gefährdungen beim Umfüllen gefährlicher Flüssigkeiten auftreten können und welche Schutzmaßnahmen und organisatorischen Vorkehrungen notwendig sind, um die Sicherheit der Mitarbeitenden und den Umweltschutz zu gewährleisten.

Warum das sichere Umfüllen von Gefahrstoffen wichtig ist

Das Ab- und Umfüllen von Flüssigkeiten ist für viele Arbeitsprozesse und Tätigkeiten erforderlich und gehört in Betrieben daher zur täglichen Routine. Besitzen die Stoffe gefährliche Eigenschaften, können Beschäftigte, die mit Umfüllarbeiten betraut sind, gesundheitlich gefährdet werden. Darüber hinaus können beim Freisetzen von Gefahrstoffen Gefahren für die Umwelt entstehen.

Beim Umfüllen verlassen Gefahrstoffe in der Regel ihr geschlossenes System, wodurch sich im Vergleich zur passiven Lagerung deutlich erhöhte Expositions- und Fehlerrisiken ergeben. Daher ist es gerade bei Umfüllprozessen unerlässlich, die Gefährdungen sorgfältig zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen, um sowohl Gesundheits- als auch Umweltgefahren zu minimieren und die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten.

Rechtliche Vorgaben und Regelwerke

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG, § 5) verpflichtet jeden Unternehmer, die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen für Beschäftigte systematisch zu beurteilen und darauf aufbauend geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen festzulegen. Diese Maßnahmen sind regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen (§ 3 ArbSchG) und die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sowie die erforderlichen Kontrollen zu dokumentieren (§ 6 ArbSchG).

Die Anforderungen des ArbSchG werden in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) konkretisiert. Zwar wird das Abfüllen oder Umfüllen von gefährlichen Stoffen dort nicht ausdrücklich als gesonderter Punkt aufgeführt, es unterliegt jedoch zwingend der Pflicht zur spezifischen Gefährdungsbeurteilung. Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 400) geben detaillierte Hinweise, wie eine solche Gefährdungsbeurteilung zu gestalten ist. Praxisnahe Informationen und Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie in unserem Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen.

Hinsichtlich der Umweltgefährdungen beim Umfüllen von Gefahrstoffen verpflichten das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die AwSV dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um die Eintragung wassergefährdender Stoffe in Boden oder Gewässer zu verhindern und Umweltschäden zu vermeiden.

Gefährdungen beim Umfüllen von Gefahrstoffen und geeignete Schutzmaßnahmen für die Praxis

Individuelle Gefährdungen durch Eigenschaften der umzufüllenden Flüssigkeit

Je nachdem, welche Flüssigkeit ab- oder umgefüllt wird und welche spezifischen Gefahreneigenschaften sie besitzt, können beim Umfüllen unterschiedliche Gefährdungen entstehen. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind diese zu ermitteln und daraus geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Informationen zu den Gefahreneigenschaften finden sich zum Beispiel im zugehörigen Sicherheitsdatenblatt. Das Sicherheitsdatenblatt beschreibt sowohl die gefährlichen Eigenschaften des Stoffes oder Gemisches als auch die erforderlichen Schutzmaßnahmen. Informationen zum Aufbau des Sicherheitsdatenblatts und wo welche Angaben zu finden sind, zeigt unser Ratgeber zum Thema Sicherheitsdatenblätter.

Im Folgenden werden einige Schutzmaßnahmen vorgestellt, die dabei helfen, Gefahren beim Umfüllen von Gefahrstoffen zu vermeiden. Welche Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind, hängt von der individuellen Gefährdungsbeurteilung ab.

Gefährdungen durch Leckagen

Beim Umfüllen von Gefahrstoffen besteht ein erhöhtes Risiko für Leckagen – also das unbeabsichtigte Austreten, Versprühen oder Verspritzen gefährlicher Flüssigkeiten. Dadurch kann es zu einer gesundheitsgefährdenden Exposition der Mitarbeitenden oder zu einer Kontamination des Arbeitsbereichs kommen. Ausgetretene wassergefährdende Stoffe können in den Boden gelangen und das Grundwasser verunreinigen. Auf den Boden ausgelaufene Flüssigkeiten erhöhen nicht nur das Rutsch- und Sturzrisiko, sondern können durch Unachtsamkeit in andere Bereiche übertragen werden.

Unkontrollierte Ausbreitung verhindern: Prävention durch Umfüllen über Auffangwannen

Damit ausgelaufene Stoffe direkt aufgefangen werden und gar nicht erst in die Umgebung gelangen, sollten Umfülltätigkeiten stets über einer Auffangwanne erfolgen. Hierfür stehen spezielle Auffangwannen und Zubehöre bzw. Abfüllstationen zur Verfügung, die gezielt für Abfüllvorgänge entwickelt wurden. Abfüllstationen, die auf das jeweilige Gebinde abgestimmt sind und z. B. mit passenden Abfüllböcken ausgestattet sind, bieten einen weiteren Vorteil: Sie sorgen für stabilen Halt und eine sichere Positionierung der Behälter während des gesamten Abfüllvorgangs und schützen diese somit vor dem Umfallen.

Auffangwannen zum sicheren Abfüllen aus Fässern

Auffangwannen für Fässer ermöglichen das sichere Umfüllen von Gefahrstoffen aus stehend gelagerten Fässern mithilfe von Pumpen. Alternativ lassen sich die Auffangwannen mit Fassböcken kombinieren und so zu einer Abfüllstation für liegend gelagerte Fässer erweitern, bei der das Abfüllen über einen Zapfhahn erfolgt.

Spezielle Gefahrstoffregale zur liegenden Fasslagerung ermöglichen zugleich das sichere Abfüllen aus Fässern. Über der vorstehenden Auffangwanne kann die Flüssigkeit sicher abgefüllt werden, während Tropfverluste zuverlässig aufgefangen werden. Besonders praktisch: Mehrere Regalmodule lassen sich übereinander stapeln und montieren, sodass bis zu drei Lagerebenen geschaffen werden können.

Auffangwannen zum sicheren Abfüllen aus IBC

Auffangwannen für IBC ermöglichen das sichere Umfüllen mit Pumpen. Für das Abfüllen über den Zapfhahn stehen spezielle IBC-Auffangwannen mit Abfüllbereich zur Verfügung, die ausreichend Platz für einen sicheren Abfüllvorgang bieten.

Bei Stahlwannen mit modularem Gitterrost wird der Abfüllbereich zugänglich, indem der Front-Gitterrost herausgenommen wird. Alternativ können Stahlwannen durch Abfüllböcke für IBC ergänzt werden. Für Stahlwannen ohne Abfüllbereich ist ein aufsteckbarer Kannenträger verfügbar, der Tropfverluste auffängt und über ein Gefälle zurück in die Wanne leitet. Für eine optimierte Entleerung des IBC ist ein Restentleerer erhältlich.

Bei IBC-Auffangwannen aus Kunststoff mit Abfüllbereich besteht dieser aus einem integrierten Vorbau, über dem sicher abgefüllt werden kann. Kunststoff-Auffangwannen ohne integrierten Abfüllbereich lassen sich mit einem Vorsatzbehälter für Abfüllvorgänge nachrüsten.

Auffangwannen zum sicheren Umfüllen von Kleingebinden

Kleingebindewannen sorgen für sichere Abfüllvorgänge aus kleinen Gebinden in andere kleine Gebinde. Sie können beim Umfüllen einfach als Unterlage verwendet werden und fangen Tropfverluste zuverlässig auf. Stapelbare Kleingebinderegale bieten ein äußerst praktisches Modul für liegend gelagerte Kanister. Über der integrierten Auffangwanne des Regals lässt sich aus den gelagerten Kanistern sicher, sauber und ergonomisch abfüllen.

Großflächiger Bodenschutz bei Umfüllvorgängen

Bodenauffangwannen bieten eine effiziente Möglichkeit, größere zusammenhängende Flächen für das sichere Arbeiten mit Gefahrstoffen zu schaffen. Während Ab- und Umfülltätigkeiten auf den Bodenauffangwannen bieten diese einen umfassenden Spritzschutz. Verschüttete Gefahrstoffe werden großflächig aufgefangen, was nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die Sauberkeit des Arbeitsbereichs gewährleistet.

Wahl des geeigneten Standortes für Umfülltätigkeiten

Bei der Festlegung des Standortes für Umfülltätigkeiten sind potenzielle Gefahrenquellen möglichst auszuschließen. Umfüllbereiche sollten daher bewusst abseits von Verkehrswegen und kritischen Entwässerungseinrichtungen wie Abläufen oder Kanaleinläufen eingerichtet werden.

Ist dies aus baulichen oder organisatorischen Gründen nicht möglich, sind geeignete Schutzmaßnahmen vorzusehen. Hierzu gehört insbesondere die Abdichtung von Abläufen oder Kanaleinläufen, beispielsweise durch den Einsatz geeigneter Abdichtmatten.

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Kein Abfüllen über Kopfhöhe beim Abfüllen aus Regalen! Beim Abfüllen aus in Regalen gelagerten Gebinden sollte der Vorgang nicht über Kopfhöhe erfolgen. Das Hantieren mit Gefahrstoffen über Kopfhöhe erhöht das Risiko von Verschütten, Verspritzen oder unkontrolliertem Austritt. Es ist sicherzustellen, dass der Abfüllvorgang jederzeit gut einsehbar ist. Bereits bei der Planung von Abfüllprozessen sollte berücksichtigt werden, dass nur aus Lagerebenen abgefüllt wird, die sich im direkten Sicht- und Arbeitsbereich befinden.

Kostenloser Download: Checkliste für sicheres Umfüllen

Für optimale Sicherheit bei Umfülltätigkeiten haben wir Ihnen einige wichtige Handlungsempfehlungen im praktischen Checklisten-Format zusammengestellt.

Neben organisatorischen Maßnahmen, die im Vorfeld berücksichtigt werden sollten, enthält das Dokument eine praxisorientierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Mitarbeitende beim sicheren Umfüllen von Gefahrstoffen unterstützt.

Leckage-Risiken minimieren durch Einsatz geeigneter Abfüllhilfen und Arbeitsmittel

Um eine unbeabsichtigte Freisetzung von Gefahrstoffen beim Umfüllen möglichst zu vermeiden, ist die Auswahl geeigneter Abfüllhilfen und Arbeitsmittel entscheidend:

  • Pumpen ermöglichen das sichere Ab- und Umfüllen größerer Mengen aus unterschiedlichsten stehend gelagerten Gebinden sowie bei sehr zähflüssigen Stoffen. Pumpen mit Rücklauf-Stopp bzw. Verschlusstopf blockieren den Auslauf oder das Behälterende, wenn die Pumpe nicht aktiv ist, und verhindern, dass Flüssigkeit unkontrolliert entweicht.

  • Zapf- oder Ablasshähne sind ebenfalls für zahlreiche Gebindearten erhältlich und erlauben ein sauberes, portionsweises Abfüllen, in der Regel in kleinere Behälter. Besonders sicher sind selbstschließende Zapfhähne, da sie beim Loslassen automatisch schließen und so ein unkontrolliertes Nachlaufen von Flüssigkeiten verhindern.

  • Mithilfe geeigneter Trichter lassen sich Flüssigkeiten sicher in unterschiedliche Gebinde einleiten. Insbesondere Full-Size-Trichter bieten durch eine vollflächige Abdeckung des Gebindes ein besonders hohes Maß an Sicherheit und Sauberkeit beim Einfüllen größerer Mengen.

  • Damit es beim Öffnen von Gebindeverschlüssen nicht zum Verspritzen von Flüssigkeiten kommt, sollten geeignete Behälteröffner bereitliegen. Gerade bei Behältern ohne hohes Eigengewicht kann beim kraftvollen Öffnen Flüssigkeit verschüttet werden. Ein Deckelöffner erleichtert das Öffnen und macht den Vorgang deutlich sicherer.

Alle Abfüllhilfen wie Pumpen, Zapfhähne und Trichter sowie die Behälter, in die abgefüllt werden soll, müssen so ausgewählt werden, dass sie chemisch beständig gegenüber der jeweiligen Flüssigkeit sind. Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass Anschlüsse, Öffnungen und Gewinde zu den eingesetzten Gebinden passen, sodass eine fachgerechte und dicht schließende Montage gewährleistet ist.

Sämtliche Arbeitsmittel sollten regelmäßig durch befähigte Personen sowie auch vor dem Umfüllen durch die Beschäftigten einer Sicht- bzw. Dichtigkeitsprüfung unterzogen werden, um ihre einwandfreie Funktion sicherzustellen.

Verhindern von Überfüllung durch Mengenkontrolle

Um eine Leckage durch Überlaufen des zu befüllenden Behälters zu vermeiden, sollte beim Umfüllen stets eine Mengenkontrolle durchgeführt werden.

Bei undurchsichtigen Gebinden können dagegen verschiedene andere Methoden zum Einsatz kommen, zum Beispiel:

Bindemittel und Spill Kits zur unverzüglichen Leckagebereinigung

Sollten Flüssigkeiten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen unbeabsichtigt ausgelaufen sein, ist es wichtig, die Leckage sofort zu beseitigen, um nachfolgende Gefahren zu verhindern. Je nach Gefährdungspotenzial des Stoffes können dies neben einer möglichen Exposition der Mitarbeitenden und der Eintragung in den Boden auch chemische Reaktionen, die Freisetzung von Dämpfen oder Entzündungs- und Brandgefahren sein. Es ist daher wichtig, schon vor dem Abfüllen geeignete Bindemittel oder Spill Kits bereitzuhalten, mit denen ausgelaufene Stoffe umgehend aufgenommen werden können.

Dabei muss es nicht immer um große Leckagen gehen: Bindevliese sind auch besonders praktisch, um den Arbeitsbereich schnell und sicher von kleineren Flüssigkeitsmengen zu reinigen. Zum Beispiel um Kleinmengen von Gefahrstoffen aufzunehmen, die beim Wechseln, Anschließen oder Abnehmen von Pumpen, Zapfhähnen oder Trichtern ausgetreten sind.

Für den Fall, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer größeren Leckage kommt, ist es zusätzlich sinnvoll, weitere geeignete Hilfsmittel zum Leckagemanagement vorzuhalten.

Gesundheitsgefährdungen durch Dämpfe, Gase und Stäube

Beim Umfüllen von Gefahrstoffen können austretende Dämpfe, Gase, Stäube oder Aerosole erhebliche Gesundheitsgefährdungen verursachen. Das Einatmen kann nicht nur zu akuten Beschwerden wie Reizungen der Atemwege, Husten, Schwindel oder Kopfschmerzen führen, sondern auch langfristige Schäden an Organen verursachen. Es ist daher wichtig, die Konzentration in der Atemluft auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß zu reduzieren und Arbeitsplatzgrenzwerte einzuhalten.

Reicht eine natürliche Lüftung nicht aus, muss eine technische Lüftung vorgesehen werden. Die Schadstoffe sind dabei direkt an ihrer Entstehungsstelle zu erfassen, zum Beispiel mit mobilen oder fest installierten Absaugarmen- und geräten, die möglichst nah an der Austrittsstelle positioniert werden.

Geht von den Stoffen ein besonders hohes Gefährdungspotenzial aus oder ist eine vollständige bzw. teilweise geschlossene Arbeitsumgebung erforderlich, können Containment-Systeme mit höherer Schutzwirkung eingesetzt werden, wie Tischabzüge, Absaugkabinen oder spezielle Raumlösungen für Containment-Anwendungen.

Sind technische oder organisatorische Maßnahmen nicht möglich, bieten sie keinen vollständigen Schutz oder verbleibt ein Restrisiko, sollte persönliche Schutzausrüstung (PSA), wie zum Beispiel Atemschutz, getragen werden.

An der Arbeitskleidung mitgeführte Gaswarngeräte machen Gefahren durch Gase für die Mitarbeitenden sichtbar und geben einen dreifachen Alarm – haptisch, optisch und akustisch – bei Überschreitung von Grenzwerten.

Da sich dieser Ratgeber primär mit dem Umfüllen gefährlicher Flüssigkeiten befasst und das Thema gefährliche Stäube einen eigenständigen Schwerpunkt darstellt, beachten Sie bitte unser separates Whitepaper zur Planung von Staubarbeitsplätzen.

Gefährdungen durch Hautkontakt mit Gefahrstoffen

Indem die Gefahr des Auslaufens und Verspritzens von Flüssigkeiten durch geeignete Arbeitsmittel und Maßnahmen minimiert wird, leistet man bereits einen wichtigen Beitrag zum Mitarbeiterschutz beim Umfüllen von hautgefährdenden, hautresorptiven oder hautsensibilisierenden Gefahrstoffen. Dennoch verbleibt in der Praxis meist ein Restrisiko, weshalb beim Umfüllen von Gefahrstoffen unbedingt Persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen werden sollte. Sinnvoll sind hier beispielsweise Schutzhandschuhe, Schutzbrillen bzw. Gesichtsschutz sowie geeignete Schutzbekleidung für den Körper.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Haut- oder Augenkontakt, müssen geeignete Notfalleinrichtungen, insbesondere Not- und Augenduschen, verfügbar sein, um eine sofortige und ausreichende Spülung zu gewährleisten.

Diese Schutzmaßnahmen sind auch beim Umfüllen von Flüssigkeiten relevant, die aufgrund ihrer hohen Viskosität vor dem Abfüllen erwärmt werden müssen. Hier besteht zusätzlich die Gefahr von Verbrennungen oder Verbrühungen durch heiße Medien oder aufgeheizte Behälter. Der direkte Kontakt mit heißen Flüssigkeiten oder Oberflächen sollte daher möglichst vermieden werden. Das Tragen geeigneter, hitzebeständiger Schutzkleidung sowie das Bereithalten von Notduschen zur Erstversorgung sind auch in diesen Fällen wesentliche Schutzmaßnahmen.

Nach dem Umfüllen, beispielsweise vor Pausen oder nach Arbeitsende, sollten gegebenenfalls Hautreinigungs- und Hautpflegemaßnahmen durchgeführt werden, um Rückstände von Gefahrstoffen zu entfernen und die Hautgesundheit langfristig zu erhalten.

Gefahren durch Brände oder Explosionen

Beim Abfüllen brennbarer Flüssigkeiten, deren Dämpfe oder Nebel mit Luft ein zündfähiges oder explosionsfähiges Gemisch bilden können, sind explosionsschutztechnische Maßnahmen erforderlich.

Wichtig zu wissen: Flüssigkeiten können sich beim Strömen entlang von Behälterwänden, beim Versprühen, Filtern oder während Rühr- und Pumpvorgängen elektrostatisch aufladen. Die Stärke dieser Aufladung hängt vor allem von der Leitfähigkeit der Flüssigkeit, der Strömungsgeschwindigkeit und der abgeführten Menge ab. Zündfähige Entladungen können sowohl zwischen isolierenden Materialien als auch zwischen leitfähigen oder ableitfähigen Gegenständen, die nicht geerdet sind, auftreten. Brände oder Explosionen lassen sich verhindern durch:

  • Inertisierung, bei der der für die Verbrennung notwendige Sauerstoff entzogen wird,

  • Lüftungsmaßnahmen, die die Konzentration des Brennstoff-Luft-Gemischs unterhalb der Zündgrenze halten,

  • Ausschluss von Zündquellen, etwa durch sorgfältige Erdung und die Nutzung von ex-geschützten Betriebsmitteln

Ergonomische Faktoren

Beim Umfüllen von Gefahrstoffen können zuletzt auch verschiedene ergonomische Gefährdungen auftreten. Wichtig ist, dass das Umfüllen kontrolliert und sicher erfolgen kann, ohne dass Mitarbeitende hohe Kraftaufwendungen leisten müssen. Denn diese erhöhen beim Umfüllen nicht nur gesundheitliche Risiken, sondern auch das Leckagerisiko. Es sollten daher geeignete ergonomische Hilfsmittel zum Halten, Kippen oder Stabilisieren von Behältern eingesetzt werden.

Größere Gebinde wie Fässer oder IBCs werden in der Regel aus einer festen Position heraus mit Zapfhähnen oder Pumpen umgefüllt. Je nach Fördermenge oder Viskosität des Stoffes ist der Einsatz druckluft-, Akku- oder elektrisch betriebener Pumpen sinnvoll, da diese deutlich ergonomischer sind als manuelle Pumpen. Um Gebinde nicht manuell unter dem Zapfhahn halten zu müssen, sind für Auffangwannen und Abfüllstationen aufsteckbare Kannenträger als praktische Ausstattung erhältlich.

Kleinere Behälter müssen hingegen oftmals gekippt werden, um den Inhalt abzufüllen. Je nach Gebindegröße und -gewicht ist der Einsatz geeigneter Hilfsmittel mit Kipp-Mechanismus empfehlenswert, die das Kippen ergonomischer gestalten und den Abfüllvorgang damit auch sicherer machen. Schwenkbare Abfüllböcke für Ballons ermöglichen beispielsweise ein besonders ergonomisches Abfüllen aus Gebinden von bis zu 60 Litern. Sogar für die ergonomische Restentleerung von IBC gibt es die passenden Tools.

Alternativ können Kanister in Kleingebinderegalen mit Lagermodul für liegend gelagerte Kanister aufbewahrt und Abfüllhähne fest montiert werden. Auf diese Weise sind die Gebinde, aus denen abgefüllt wird, stabil gelagert, und eine mögliche ergonomische Gefährdung durch Heben und Tragen entfällt.

Gefahren durch Verwechslung

Beim Umfüllen von Gefahrstoffen von einem Gebinde in ein anderes wird häufig versäumt, das neu befüllte Gebinde ordnungsgemäß zu kennzeichnen. Dies kann im weiteren Verlauf zu erheblichen Gefährdungen führen und entspricht zudem nicht den rechtlichen Anforderungen. Daher ist sicherzustellen, dass auch das neue Gebinde unverzüglich und vollständig mit der entsprechenden Gefahrstoffkennzeichnung nach GHS versehen wird.

Unser Ratgeber zur GHS-Kennzeichnung verschafft Ihnen einen Überblick über die Gefahrstoffkennzeichen nach dem GHS-System und beantwortet die meist gestellten Fragen.

Gefahrstoffe sicher umfüllen – die richtige Ausrüstung für jede Gebindegröße

Von klein bis groß: Rund um das sichere Ab- und Umfüllen von Gefahrstoffen aus unterschiedlichsten Gebindearten finden Sie im DENIOS Onlineshop das passende Sicherheits-Equipment. Im Folgenden haben wir Ihnen die geeignete Ausstattung – abgestimmt auf verschiedene Behälterarten – übersichtlich zusammengestellt.

Allgemeine Organisatorische Maßnahmen beim Umfüllen von Gefahrstoffen

Unterweisung

Generell tragen Unternehmer und Vorgesetzte im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten die Verantwortung für die sichere Durchführung von Umfüllarbeiten. Mitarbeitende sind daher vor Aufnahme der Umfülltätigkeiten sowie auch regelmäßig wiederkehrend zu unterweisen. Entsprechend sollte für jede Umfülltätigkeit eine arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung erstellt werden, die konkrete Vorgaben zu Verhalten und Schutzmaßnahmen beim Umfüllen von Gefahrstoffen enthält. Nähere Informationen finden Sie in unseren Beiträgen zu Erstunterweisung und Betriebsanweisung, inklusive einer praktischen Vorlage für Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe.

Regelmäßige Prüfung der verwendeten Arbeitsmittel

Arbeitsmittel wie Pumpen, Zapfhähne und Abfülleinrichtungen sollten regelmäßig auf Dichtigkeit und einwandfreie Funktion überprüft werden. In der Gefährdungsbeurteilung sind hierfür die entsprechenden Prüfintervalle und Verantwortlichkeiten festzulegen. Darüber hinaus sollten alle Arbeitsmittel, die zum Umfüllen von Gefahrstoffen eingesetzt werden, vor jeder Inbetriebnahme sorgfältig in Augenschein genommen werden.

Vorkehrungen für Unfälle und Notfälle treffen

Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind Vorkehrungen für Notfälle zu treffen. Beim Umfüllen von Gefahrstoffen betrifft dies insbesondere die unbeabsichtigte Freisetzung – etwa durch Leckagen oder die Exposition von Mitarbeitenden gegenüber den gefährlichen Stoffen. Für solche Fälle sind Notfallpläne zu erstellen und geeignete Einrichtungen und Ausrüstungen bereitzuhalten, wie z. B. Spill-Kits oder Notduschen.

Unsere praktischen Wissensposter „Leckage-Notfall-Plan“ und „Erste Hilfe bei Hautkontakt mit Gefahrstoffen“ bieten eine gute Grundlage für Ihre Notfallplanung. Es ist darüber hinaus empfehlenswert, das richtige Verhalten im Leckagefall bereits im Vorfeld zu üben, bevor es zu einer echten Notfallsituation kommt. Hierfür bietet die DENIOS Academy ein spezielles Leckage-Notfall-Training an.

Kostenloser Download: Checkliste für sicheres Umfüllen

Für optimale Sicherheit bei Umfülltätigkeiten haben wir Ihnen einige wichtige Handlungsempfehlungen im praktischen Checklisten-Format zusammengestellt.

Neben organisatorischen Maßnahmen, die im Vorfeld berücksichtigt werden sollten, enthält das Dokument eine praxisorientierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Mitarbeitende beim sicheren Umfüllen von Gefahrstoffen unterstützt.

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