Wenn jede Sekunde zählt: Ölunfälle auf dem Wasser

Nicht nur an Land gibt es Unfälle mit gefährlichen Stoffen. Immer wieder hört man auch von folgenschweren Ölunfällen auf dem Wasser. In der breiten Öffentlichkeit erlangen vor allem die ganz großen Katastrophen traurige Bekanntheit: Auf Grund gelaufene Tanker, Pipeline-Leckagen, Unglücke auf Bohrinseln. Aber auch im vermeintlich Kleinen kann sich ausgelaufenes Öl katastrophal auswirken, wenn es in lokale Gewässer gelangt – schließlich kann sich nur ein einziger Tropfen in Windeseile verteilen und so bis zu 1.000 Liter Wasser verunreinigen. Doch wie können Unternehmen Vorsorge treffen? Welche Ausrüstung wird für den Notfall benötigt? Und was passiert, wenn etwas passiert? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.


Gute Gründe für eine aktive Notfallvorsorge

Wenn ein Unternehmen mit wassergefährdenden Stoffen umgeht, ist es dazu verpflichtet, anhand einer Gefährdungsbeurteilung potentielle Gefahrenquellen zu identifizieren und neben den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen auch einen Notfallplan für den Leckagefall auszuarbeiten. So können es die örtlichen Gegebenheiten auch notwendig machen, dass sich Unternehmen speziell für Ölunfälle auf dem Wasser wappnen – zum Beispiel dann, wenn sich Gewässer auf oder in direkter Nähe des Betriebsgeländes befinden, Ölleitungen in der Nähe von Gewässern verlegt oder Abläufe vorhanden sind, in die fälschlicherweise auch Öl gelangen könnte.

Ölunfälle auf dem Wasser sind in der Regel meldepflichtig (§24 AwSV) und ein Fall für die Feuerwehr – jedoch sollte sich die Notfallplanung nicht nur darauf beschränken, im Ernstfall die 112 zu wählen und zu warten, bis sich die Einsatzkräfte der Sache annehmen. Das Tückische an Ölunfällen auf dem Wasser ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Flüssigkeit auf der Wasseroberfläche verteilt.

Gerade bei fließenden Gewässern treibt der Ölfilm unaufhaltsam flussabwärts und der Schaden breitet sich mit jeder Sekunde, die verstreicht, weiter aus. Auch die Feuerwehr muss erst einmal am Einsatzort ankommen, wodurch wertvolle Zeit verloren gehen kann. Hier kann es zum Beispiel durchaus sinnvoll sein, die Ausbreitung des Ölfilms durch schnelle Erstversorgung zu begrenzen. Unternehmen minimieren dadurch nicht nur die Schäden für die Umwelt, sondern auch die Kosten, die sie als Verursacher zu tragen haben. Denn Ölunfälle auf dem Wasser können teuer werden: Wer gefährliche Stoffe in Gewässer einbringt und sie dadurch schädigt, ist nicht nur zu Schadenersatz verpflichtet, sondern trägt auch die Kosten der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen (§§ 89, 90 WHG). Nicht zuletzt werden daher auch Sachversicherer ein Auge darauf haben, ob bei entsprechenden Gefahrenpotentialen eine ausreichende Notfallvorsorge getroffen wurde. Unternehmen sind also gut beraten, sich aktiv mit der Frage nach geeigneten Notfallmaßnahmen auseinanderzusetzen.

Bei der Notfallplanung kann es sehr sinnvoll sein, Kooperationen mit der örtlichen Feuerwehr einzugehen. Es kann auch vorkommen, dass die zuständige Einsatzstelle von sich aus an ein Unternehmen herantritt, wenn sie Gefahrenpotentiale erkennt. Von einer Zusammenarbeit können letztlich beide Seiten profitieren, indem gemeinsame Konzepte für den Notfall ausgearbeitet und geeignete Ausrüstungsmittel miteinander abgestimmt werden. Oft gibt es auch Kooperationsmodelle, bei denen entsprechende Spezialausrüstung der Feuerwehr direkt vom Unternehmen gestellt wird. Das Unternehmen kann so sicher sein, dass im Notfall die richtigen Mittel an den richtigen Stellen zur Verfügung stehen. Die Feuerwehr wiederum profitiert von einer den örtlichen Gegebenheiten entsprechenden Ausrüstung, die sie ggf. auch bei anderen Einsätzen verwenden kann. In diesen Fällen wird in der Regel festgelegt, dass sie dabei verbrauchtes Material aus eigenen Mitteln ersetzt. Alles in allem eine Win-Win-Situation.


Der Notfalleinsatz von A bis Z

Maßnahmen und Ausrüstung passgenau festlegen

Konkrete Notfallmaßnahmen hängen immer von der Gefährdungsbeurteilung ab, ebenso die zu beschaffenden Hilfsmittel. Schaut man sich einen beispielhaften Ablauf des Notfalleinsatzes an, bekommt man schon eine gute Vorstellung davon, worauf es ankommt und was benötigt wird.

Der Einsatz beginnt – wie könnte es anders sein – mit der Entdeckung der Leckage. Wird Öl auf einem Gewässer entdeckt oder eine Leckage bemerkt, aufgrund derer Öl in ein Gewässer eingeleitet wird, wird in der Regel zuerst die Feuerwehr alarmiert. Die Einsatzstelle der Feuerwehr informiert wiederum die in den Einsatzplänen festgelegten Stellen wie z.B. die zuständige Wasserbehörde oder Spezialisten ortsansässiger Betriebe. Falls Dritte, insbesondere Betreiber von Abwasseranlagen oder Wasserversorgungsunternehmen, betroffen sein können, so sind diese ebenfalls von der Gefahrensituation zu unterrichten (§24 AwSV).

Im Idealfall wird unverzüglich mit der Durchführung der Sofortmaßnahmen begonnen. Vorrangig sind hier erst einmal, falls notwendig, lebensrettende Maßnahmen. Danach erfolgen:

  • Sicherung der Unfallstelle
  • Beurteilung der Art, Menge und Gefährlichkeit des ausgelaufenen Stoffes
  • Stoppen der Leckage und Verhindern einer Schadensausweitung
  • Eingrenzen und Aufnehmen des wassergefährdenden Stoffes

Um die Schadensausweitung zu verhindern, sollte zum einen die Leckage schnellstmöglich an ihrer Quelle gestoppt werden. Zum anderen werden Ölsperren auf dem Gewässer gezogen, um eine weitere Ausbreitung des Ölfilms zu verhindern. Ölsperren werden in aktive und passive Systeme unterschieden. Passive Sperren bestehen aus einer Tauchschürze aus flüssigkeitsdichtem Spezialgewebe mit innenliegenden Auftriebskörpern. Sie werden mittels Verankerung zwischen den Ufern befestigt. Damit das untere Ende der Schürze nicht auf dem Wasser treibt, wird es mit Gewichten nach unten gezogen. Beim Einsatz der Ölsperre sammelt sich das Öl an der Wasseroberfläche, während das Wasser unter dem Ölteppich abfließt. Das Öl kann so abgepumpt oder mit Bindemitteln aufgenommen werden. Aktive Sperren sind wasserabweisend und schwimmen auf der Oberfläche von stehenden und leicht fließenden Gewässern.

 

 

Durch die Füllung mit saugstarkem Polypropylenvlies nimmt die Sperre selbst Öl auf. Besonders gut eignen sich aktive Sperren in Kombination mit einem passiven System: Während letzteres die tatsächliche Öl-Barriere aufbaut, kann die aktive Sperre das ausgelaufene Öl großflächig aufnehmen und anschließend in einem Stück per Zugseil wieder eingeholt werden. 

Sind besondere Risikobereiche bekannt, kann der Einsatz von Ölsperren im Notfall so genau wie möglich vorbereitet werden. Zum Beispiel können geeignete Sperrstellen schon vorab erkundet werden – so muss man im Notfall nicht dem Ölfilm hinterherfahren, sondern kann ihn an geeigneten Sperrstellen abfangen. Kriterien wie z.B. günstige Strömungsbedingungen, sichere Zufahrtswege und ausreichende Anbringungsmöglichkeiten für das Einsatzgerät spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Ausführung der Ölsperren ist maßgeblich von der Gewässerbeschaffenheit abhängig. Handelt es sich um stehende oder fließende Gewässer? Welche Breite, Tiefe und Fließgeschwindigkeit sind zu berücksichtigen?

Werden Ölsperren mit Tauchschürze angeschafft, ist die benötigte Eintauchtiefe von der Tiefe des Gewässers und die Länge der Sperre von der Gewässerbreite abhängig. Bei höheren Fließgeschwindigkeiten muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Ölsperre nicht rechtwinklig zum Ufer angebracht werden sollte, um die Anströmgeschwindigkeit zu verringern und somit die auf die Sperre einwirkenden Kräfte zu minimieren. Aus diesen Gründen sollte die Ölsperre im Individualfall auch länger bemessen sein. Praktisch sind hier Produkte, die aus einzelnen Elementen bestehen, die sich schnell miteinander verbinden lassen. So kann man sich auch flexibel auf die Größe der Havarie oder auf verschiedene Gewässertypen einstellen. Bei der Anbringung von Ölsperren ist es außerdem wichtig, die Haltepunkte am Ufer nicht zu hoch anzusetzen, da die Sperre ansonsten unterwandert werden kann. Ggf. sollten zusätzlich Bindevliese am Ufer ausgebracht werden. Auch durch starke Strömungen kann Öl unter der Sperre hindurchgezogen werden. Hier lohnt sich gegebenenfalls auch die Vorhaltung mehrerer Sperren, die in einiger Distanz zueinander angebracht noch größere Sicherheit bieten. So kann Öl, das eine vorherige Sperre unterwandert hat, durch die nächste Sperre aufgehalten werden.

Bindemittel zur Aufnahme des Öls vom Gewässer sollten nach der in der Gefährdungsbeurteilung festgelegten Menge vorgehalten werden. Manchmal werden Ölbinder in Granulatform verwendet, die aber gewisse Nachteile haben. Einmal auf den Ölteppich ausgestreut, muss das Bindemittel nach dem Absorptionsvorgang auch wieder vom Wasser entfernt werden. Dies gestaltet sich oft schwierig und eine vollständige Beseitigung ist kaum möglich. Denn je nach Strömungsverhältnissen wird das Material mehr oder weniger schnell in den Uferbereich gespült und verfängt sich dort in der Vegetation. Ein weiterer Nachteil des Granulats ist die potentielle Vergiftung der Gewässerfauna. Die teilweise mit Öl kontaminierten Granulatkörner können von Vögeln und Fischen fälschlicherweise als Nahrung identifiziert werden und so je nach Ausmaß ein Vogel- und Fischsterben verursachen. All diese negativen Nebeneffekte lassen sich durch den Einsatz von Ölaufsaugmatten vermeiden, ohne dabei an Funktionalität einbüßen zu müssen. Schwimmfähige Ölaufsaugmatten bestehen aus einem Vliesmaterial. Sie werden zu 100 % aus Polypropylen hergestellt und sind von Natur aus wasserabweisend (hydrophob) und ölanziehend (oleophil). Sie lassen sich leicht auf dem Ölteppich verteilen und ohne großen Aufwand auch wieder einsammeln, da sie auch im gesättigten Zustand weiterhin schwimmfähig sind. Ein aufwändiges Abrechen der Wasseroberfläche wie beim Einsatz von Granulaten entfällt. Aufsaugmatten sind nicht nur einzeln sondern auch auf Rolle erhältlich, so dass lange Abschnitte für den Uferschutz eingesetzt werden können. Hiermit werden Ölverunreinigungen in der Böschung aufgenommen und eingegrenzt. Ölschleier und, wie bereits erwähnt, aktive Ölsperren eignen sich gut, um zurückbleibende Ölfilme zu beseitigen.

Der Bedarf an weiteren Maßnahmen und Hilfsmitteln richtet sich nach den Gegebenheiten. Wie viel Personal wird benötigt? Kennt das Personal den Einsatzplan? Wie kann die Ausrüstung schnell zum Einsatzort transportiert werden? Werden weitere Hilfsmittel wie Einsatzboote, Anker, Leinen, Werkzeuge oder Beleuchtungsmittel benötigt? All diese Fragen sollten im Vorfeld gestellt werden, um im Notfall schnellstmöglich reagieren zu können. Sie merken: Eine aktive Notfallplanung für den Fall der Fälle zahlt sich aus.


Gut zu wissen

In der Regel schließen sich an den erfolgreichen Einsatz Folgemaßnahmen an. Neben einer fachgerechten Entsorgung des kontaminierten Materials werden oftmals Überwachungsmaßnahmen durch die örtlich zuständige Behörde angeordnet, um mögliche Restbelastungen ermitteln zu können.


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